Freiwilligendienst am Flughafen

Hannah Lingnau hat ein ungewöhnliches FSJ absolviert

Pflegeheim, ja. Jugendtreff auch. Aber der Flughafen als Einsatzort für ein Freiwilliges Soziales Jahr? Ungewöhnlich. Aber Hannah Lingnau hat es
gemacht und ihr Jahr am Düsseldorf Airport absolviert, genauer: bei der Ökumenischen Flughafenseelsorge.

Arbeiten, wo andere in den Urlaub starten: Der Flughafen ist tatsächlich ein außergewöhnlicher Ort für den sozialen Einsatz. Hannah merkte das bereits, bevor das Freiwillige Soziale Jahr überhaupt losging. Nach ihrem Abi wollte sie sich sozial engagieren, bevor das Studium startet. Da bei der Flughafenseelsorge kurzfristig ein Platz frei war, konnte Hannah fast sofort anfangen. Fast. Denn ohne Sicherheitsüberprüfung auch kein Einsatz am Flughafen. Schließlich ist die Seelsorge in allen Bereichen gefragt, auch hinter den Sicherheitskontrollen. Den entsprechenden Ausweis, der die Berechtigung dafür anzeigt, tragen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Seelsorge wie alle anderen Flughafen-Mitarbeitenden immer sichtbar bei sich.

„Wir sind Teil der Flughafen-Familie“, sagt Hannah Lingnau. „Das ist schon ein besonderes Gefühl.“ Man merke, dass die Flughafen-Mitarbeitenden die Arbeit der Seelsorge sehr schätzen. Schließlich kümmert sich die Seelsorge oft um die Fälle, wo alle anderen nicht mehr wissen, was zu tun ist. Hannah Lingnau erinnert sich an einen Geschäftsmann, einen trockenen Alkoholiker, der im Hotel vor seinem Abflug rückfällig geworden war. „Der kam dann sturzbetrunken zu uns, er hatte sein Portemonnaie verloren und wusste nicht, wie es weitergeht. Unsere Aufgabe war es dann, ihn so lange im Gespräch zu halten, bis mit der Polizei alles geklärt war. Sein Portemonnaie wurde dann gefunden, und er konnte sogar später weiterfliegen.“

Es ist die ganze Bandbreite des Lebens, die wir mitbekommen.

Andere stranden ohne Geld am Flughafen, weil ihr Flug gestrichen wurde. Oder sie brauchen ein offenes Ohr, weil sie kurz vor dem Abflug in ihre Heimat stehen, um dort zur Beerdigung eines nahen Angehörigen zu gehen. „Es ist die ganze Breite des Lebens, die wir mitbekommen“, sagt Hannah Lingnau. „Und das macht es so spannend.“ Sogar Flaschensammler gebe es am Flughafen. „Die fallen gar nicht so auf, aber wenn man jeden Tag hier ist, bekommt man einen ganz anderen Blick.“

Die Seelsorge am Düsseldorf Airport hat, und das ist etwas Besonderes, einen eigenen Schalter im Terminal. Aber die Arbeit geschieht überall, im Terminal, an den Abflug-Gates und überall dort, wo auch Mitarbeitende des Flughafens oder der Fluggesellschaften sind. Denn auch für die ist die Flughafenseelsorge da. „Das hat man jetzt besonders in der Corona-Zeit gemerkt, wie sehr die Menschen Gespräche brauchen“, berichtet Hannah Lingnau. Persönliche Probleme gebe es immer, aber jetzt seien die konkreten Sorgen um die Gesundheit oder den Arbeitsplatz dazugekommen. „Und es gab endlich mal Zeit, darüber zu reden, weil es am sonst so hektischen Flughafen Leerlauf gab.“

Wenn solche Themen auftauchen, kann die Arbeit in der Flughafenseelsorge ganz schön belastend sein. Und das muss man als junger Mensch erst einmal aushalten. „Aber erstens habe ich mir die Stelle ja ausgesucht“, sagt sie. „Und zweitens gab es sowohl eine Vorbereitung als auch eine Menge begleitende Unterstützung, zum Beispiel wöchentliche Reflexionsgespräche, wo man noch mal alle Situationen durchgehen konnte.“

Nach einem Jahr hat sie so viel mitgenommen. „Ich habe wirklich viel gelernt“, sagt sie. „Ich kann mich zum Beispiel viel besser abgrenzen und kenne auch meine eigenen Grenzen besser.“ Und die Feedback-Kultur sei großartig gewesen. „Ich habe ständig und sofort Rückmeldung zu meiner Arbeit bekommen, das war toll. Das will ich später auch mal so machen.“ Als Theologin kann sie das sicher gut gebrauchen. Das Studium dazu hat Hannah Lingnau jetzt begonnen.

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